Schon mehrfach habe ich mir vorgenommen, etwas zu Moritz Klenks aktuellem Podcast-Projekt #podlog zu schreiben. Angefangen habe ich jeweils deshalb nicht, weil ich mir beim Zusammenbauen des Artikels im Kopf immer dachte, dass dieser besonders rund und abwägend sein müsste, meine Beobachtungen mit sprachphilosophischen Belegen zu verknüpfen hätte, und selbstredend über einen schmissigen essayistischen Stil verfügen müsste. Wer sich auf all das gefreut hat, wird im Folgenden enttäuscht: Ich schreibe ein unvollständiges, selektives und akut motiviertes Lesezeichen.

Denktagebuch

Und damit sind wir schon beim Thema, denn ziemlich ähnlich funktioniert das tägliche Audio-Denktagebuch von Moritz. Inspiriert unter anderem von der zweibändigen Neuausgabe des Denktagebuchs von Hannah Arendt, hat er sich aufergelegt, im Jahr 2017 jeden Tag seine „Notizen“ zu podcasten. Mit „Notizen“ mein Moritz Argumente, Verweise, Dispute, Texte und Fragen, die sich aus seiner wissenschaftlichen und gewissermaßen medien-praktischen Auseinandersetzung mit der Welt ergeben. Und wer Moritz kennt, weiß wie weit und grundlegend die dabei behandelten Probleme mitunter sein können.

Das #podlog ist aber kein in Elfenbein gefasstes Philosophenstüberl, sondern behandelt auch Alltagsbeobachtungen, Nachdenken über den Zweck des Nichtstuns nach WG-Feiern, freundschaftliche Streitereien mit Stefan Seidel, Kritik an jammernden Professoren und – für mich besonders schön – Leseempfehlungen, wie etwa »Miamification«.

Neben den verlinkten Beispielen gibt natürlich der About-Text einen guten Rahmen des Anliegens, außerdem war Moritz vergangene Woche im „Sendegarten“ zu Gast und erzählt von sich, dem Podcasten und #podlog. Man kann Moritz auch unterstützen.

sprechend Denken

Mir gefallen die Folgen am Besten, in denen der fließende Anteil an diesem „stream of consciousness“ hoch ist. Zwar ist es auch unterhaltsam, vorbereiteten Argumenten zuzuhören – und Moritz ist tatsächlich gut darin, Fäden wieder aufzugreifen und zu verknüpfen. Aber besonders interessant wird so ein Projekt meines Erachtens in der Verlaufsform, wenn ich zuhören kann, wie sich Moritz beim Sprechen über sein Denken zuhört. Klingt komplizierter als nötig, tatsächlich handelt es sich aber um diese dreifache Vermittlung: Gedachtes wird Gesprochen, gehört und (vom Sprecher) wieder sprechend kommentiert. Moritz hat in Folge 11 länger darüber nachgedacht – und kommt dabei notwendigerweise auch ins Stocken, aber das ist nunmal der Charakter des Selbstgesprächs.